Pflegegrad: Was ändert sich 2016 – was muss beachtet werden?

Der Gesetzgeber hat mit dem Pflegestärkungsgesetz II – kurz PSG II – kräftig an einer Leistungsausweitung für Pflegebedürftige gearbeitet. Die Mission galt dabei der Anpassung des Gesetzes an die Pflege in der Praxis. Dabei musste unter anderem der Tatsache Rechnung getragen werden, dass der bundesweit größte Pflegedienst die pflegenden Angehörigen sind. Außerdem steigt die Anzahl der dementen Senioren dramatisch an. Die wurden bisher gesetzlich nicht ausreichend berücksichtigt. All das ändert sich nun durch das PSG II (Pflegegrad-Regelung).

Pflegegrad 1 – 5 – eine neue Beurteilung

Pflegegrad: Was ändert sich 2016 – was muss beachtet werden?

© fotolia.com, Robert Kneschke

Während man bei gesetzlichen Änderungen oft nur an dem einen oder anderen „Schräubchen“ zu drehen scheint, wurde die Pflege revolutionär überarbeitet. Die Beurteilung der Pflegebedürftigkeit ist auf vollkommen neue gesetzliche Grundmauern gestellt worden. Das beginnt mit der Einstufung der Pflegebedürftigkeit. Die Pflegebedürftigkeit und der Pflegegrad sind zu den zentralen Begriffen geworden. Um das zu erreichen, wurden die bisher bekannten Pflegestufen komplett durch den Pflegegrad abgelöst. Die altbekannte Unterteilung der Pflegestufen sieht nun so aus:

  1. Pflegegrad 1: geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
  2. Pflegegrad 2: erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
  3. Pflegegrad 3: schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
  4. Pflegegrad 4: schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
  5. Pflegegrad 5: schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung

Die Selbstständigkeit spielt die größte Rolle

Zentraler Dreh- und Angelpunkt der Pflegegrad-Einteilung ist das Maß der Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder die Art der Fähigkeitsstörungen in den sechs Bereichen:

  1. Mobilität
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  4. Selbstversorgung
  5. Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Mit Wirkung Januar 2017 startet das neue Pflegegrad-Gesetz

Der Gesetzgeber lässt diese Neuerungen per 01. Januar 2016 erst mal „nur“ in Kraft treten. Im Klartext müssen mit dem 01.01.2016 sämtlich Gutachten nach diesen neuen Pflegegrad-Regelungen durchgeführt werden. Damit passiert aber noch nichts wirklich. Warum? Weil das neue Gesetz erst mit dem Januar 2016 Wirkung bekommt. Konkret bedeutet das, dass die Folgen aus diesen gesetzlichen Änderungen erst ab diesem Stichtag eintreten. Erst dann wird an die Berechtigten real mehr Geld gezahlt. Dabei kann und wird es entsprechende Nachzahlungen geben. Das Datum der Pflegegrad-Antragstellung bleibt nämlich Stichtag für den Leistungsbeginn.

Niemand wird benachteiligt

Bei all den Änderungen gibt es aber auch eine große Gruppe von Berechtigten, die sich nun ganz entspannt zurücklegen kann. All jene, die bereits Leistungen beziehen, müssen keinen neuen Pflegegrad-Antrag stellen. Die Umstellung geschieht automatisch ohne Nachteil.

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