Pflege zu Hause: Zeitaufwand und Kosten

Die Hans-Böckler-Stiftung hat eine neue Studie zur Lage pflegender Angehöriger veröffentlicht und dazu 1024 Pflegehaushalte befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass überproportional mehr Frauen die häusliche Pflege in der Familie übernehmen und dafür auch unter Umständen die eigene Berufstätigkeit aufgeben. Außerdem steigt die zusätzliche finanzielle Belastung für Familien, die Ihre Angehörigen zu Hause pflegen, was wiederum nur bedingt mit dem Pflegegeld kompensiert werden kann.

Pflege zu Hause

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Was langfristige Pflegeverpflichtungen angeht, zeigt die Studie, dass die Altenpflege zu Hause mehr Frauensache ist. Das heißt, in der Gruppe der Personen, die drei bis zwölf Stunden am Tag pflegen, sind anteilig mehr Frauen vertreten. Dabei handelt es sich außerdem eher um Frauen aus bildungsfernen Schichten, die zu geringeren Anteilen erwerbstätig sind. Viele Erwerbstätige müssen früher oder später ihre Arbeitszeiten zu Gunsten der Pflege eines Angehörigen reduzieren, ermittelt die Studie. Rund 44 Prozent würden wegen der Belastungen einer 24 Stunden Pflege sogar Ihren Beruf an den Nagel hängen.

Die Pflege zu Hause bedeutet steigende finanzielle Belastungen

Neben dem Zeitaufwand steigen auch die finanziellen Aufwendungen, so die Studienergebnisse, wie die Kosten für die Tagespflege, den Lebensmitteldienst oder für Medikamente. Im Durchschnitt ergeben sich rund 360 Euro zusätzliche Ausgaben im Monat, die nicht durch Sachleistungen der Pflegeversicherung erstattet werden.

Zwar gibt es das Pflegegeld, doch damit können die Kosten nur bedingt kompensiert werden. Darüber hinaus verzichten manche Bezieher auf bestimmte Leistungen der Pflegeversicherung, wie beispielsweise auf den Einsatz eines Pflegedienstes oder die Nutzung der „Pflegezeit“. Laut der Studie nehmen nur circa sechs Prozent der berufstätigen Pflegepersonen überhaupt eine „Pflegezeit“ wahr. Dadurch verzichten sie auf eine bis zu sechs Monate währende (allerdings unbezahlte) Freistellung von der Arbeit.

Forderungen an die Politik

Grundsätzlich machen die Autoren Zielkonflikte in der Pflege aus, und formulieren Forderungen an die Politik. So sei es zum einen zwar der Wunsch der Politik, Pflege zu Hause langfristig zu ermöglichen. Zum anderen wird professionelle Pflege mit hoher Erwerbstätigkeit und guten Arbeitsbedingungen für alle angestrebt. „All dies gleichzeitig zu verwirklichen sei aber schwierig“, so die Autoren der Studie. Die Pflege zu Hause müsse so weiterentwickelt und finanziell unterstützt werden, dass sie auch bei schweren Fällen eine umfassende Versorgung möglich macht.

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