Filmtipp: Vergiss mein nicht

In seinem bewegenden Dokumentarfilm "Vergiss mein nicht" begleitet der Regisseur David Sieveking seine alzheimerkranke Mutter auf ihrem Weg in das Vergessen. Manchmal heiter, manchmal traurig, erhält der Zuschauer tiefe Einblicke in eine Familie, die sich dafür entscheidet, die sterbende Mutter zu Hause zu pflegen und deren Zusammenhalt durch diese tragische Krankheit auf die Probe gestellt wird.

@David Sieveking

Auf Spurensuche

David Sieveking arbeitet in seinem neuen Film "Vergiss mein nicht“ die Beziehung zu seiner Mutter Gretel auf, die an Alzheimer erkrankt ist. Dadurch, dass Gretels Geist zunehmend schwindet und somit viele Fragen unbeantwortet bleiben, begibt sich der Sohn auf eine Spurensuche nach der Frau, die ihn groß gezogen hat. Es ist das Porträt einer emanzipierten Persönlichkeit, die einst NDR-Moderatorin und später eine vom Staatsschutz überwachte Aktivistin in der Schweiz war.

Der Verlust

Der Regisseur zeigt im Film den schleichenden Veränderungsprozess seiner Mutter. All die Dinge, die sie einmal ausmachten, ihre Kraft und Energie, gehen immer mehr verloren. Bei einem Besuch, entlastet er den Vater 4 Wochen lang bei der intensiven Pflege zu Hause. Dabei erkennt er, wie weit die Krankheit seiner Mutter bereits fortgeschritten ist. Manchmal erkennt sie ihn nicht; sie kann an den Gesprächen nicht mehr teilnehmen, möchte nicht mehr nach draußen gehen und gleitet immer häufiger in einen schläfrigen Dämmerzustand.

Pflegeheim oder Pflege zu Hause

An manchen schwierigeren Tagen an denen der pflegende Vater am Ende seiner Kräfte ist, wird auch über ein Pflegeheim oder eine Pflegekraft aus Osteuropa nachgedacht. Schließlich geht es allen darum die Situation nicht nur für Gretel zu verbessern, sondern auch für den Vater zu erleichtern, der die Pflege zu Hause hauptverantwortlich übernommen hat. Also wird eine osteuropäische Pflegekraft engagiert. Der erste Versuch scheitert wegen zu geringer Sprachkenntnisse. Der zweite Versuch mit Valentina aus Litauen gelingt. Gretel und die Pflegerin bauen in kürzester Zeit ein inniges Verhältnis auf.

In "Vergiss mein nicht" entsteht eine fast schon spürbare Nähe zu der Familie Sieveking. Es ist ein sehr persönlicher, sensibler, respektvoller Film, der den Schwermut aber auch die Heiterkeit zeigt, mit der eine Familie die Pflege der Mutter zu Hause anpackt und langsam Abschied von ihr nimmt. Ein Film, der letztendlich zur Erinnerung an eine einstmals starke und faszinierende Frau beiträgt.

Trailer zum Film

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